Mohawks Herren: Enttäuschender Saison-Abschluss

Am zweiten Maiwochenende fand das Abschlussturnier der Bundesliga West in Marburg statt. Am Samstag spielte Münster gegen Marburg, anschließend wurde die Begegnung zwischen Düsseldorf und Frankfurt ausgetragen. Erwartungsgemäß endete die zweite Partie mit einem deutlichen Frankfurter Sieg, Endstand: 6-17.

Am Sonntag begann erneut Münster, diesmal gegen das Bundesliga West-Team, eine Spielgemeinschaft aus Trier, Mainz und Aachen II, die bis hierhin noch kein Spiel gewinnen konnten. Es folgte die Begegnung Marburg – Düsseldorf, in der es um den dritten Platz in dieser Saison ging. Den Marburgern gelang es nicht Düsseldorf zu schlagen und nach Punkten gleich zu ziehen. Die Düsseldorfer gewannen klar mit 14-4 und erreichten damit den dritten Platz vor den Kölnern. Marburg beendet damit die Saison als Fünfter

Als Saisonabschluss stand das Highlight, Aachen gegen Frankfurt, auf dem Spielplan, bei dem es immerhin um den Bundesliga West-Meister 2007 ging. Unerwartet deutlich besiegte der Bundesliga West-Titelverteidiger Frankfurt den aktuellen Deutschen Meister aus Aachen mit 12-1. Damit konnten die Frankfurter ungeschlagen ihren Titel verteidigen. 

Damit nehmen die beiden Teams aus Frankfurt und Aachen an den in Kürze stattfindenden deutschen Meisterschaften teil.

Münster – Marburg

Da das Herren-Team keine komplette Mannschaft zusammen bekommen konnte, fuhr man mit lediglich neun(!) Spielern nach Marburg. Auch die Zusammensetzung des Teams könnte man als wenig glücklich bezeichnen. Ohne Torwart, aber mit sechs gelernten Defendern, konnte man sowohl hinten im Tor als auch vorne in der Attack keine große Durchschlagskraft erwarten, da viele Spieler auf ungewohnten Positionen spielen mussten: Bodo Gribnitz ging nach der Vielzahl von zwei Trainingseinheiten ins Tor, Florian Niemeier durfte auf Anhieb die Face-Offs ausführen, und Max Oberherr versuchte sich in der Attack.

Das Spiel gegen Marburg musste folgerichtig schon vor dem Spiel verloren gegeben werden. Es wurde als Freundschaftsspiel dennoch ausgetragen, indem die Marburger das Münsteraner Team aus den eigenen Reihen unterstützte. Am Ende gewann Marburg 17-3. Dabei erzielte Maik Hundt zwei Tore. Das Spiel wurde hart aber sehr fair geführt. Nicht verwunderlich, dass die guten Frankfurter Schiedsrichter ohne jedwede persönliche Strafe auskamen.

Nach dem Spiel konnte das Sonntag-Spiel mit dem Einverständnis aller Beteiligten um eine Stunde nach hinten verlegt werden, so dass Andreas Winkler am nächsten Morgen als zehnter Spieler mit dem Zug nachreisen und das Team unterstützen konnte. Somit konnte wenigstens das zweite Spiel am Sonntag unter Wettkampfbedingungen ausgetragen werden.

Münster – Bundesliga West

Mit 10 Spielern traten die Mohawks gegen das Bundesliga West-Team an, fest entschlossen den zweiten Saisonsieg zu erreichen. Zum Saisonauftakt konnte man gegen selbigen Gegner noch deutlich mit 18-2 gewinnen. Dies sollte, so viel sei an dieser Stelle schon verraten, nicht erneut passieren. Im Gegenteil, es war bis zum Schluss ein extrem spannendes Spiel.

Nach 11.Minuten konnte das Gästeteam zum ersten Mal punkten und ging damit in Führung. Spielertrainer Maik Hundt reagierte, nahm eine Auszeit, und fokussierte das Team auf die wesentlichen Dinge. Das Münsteraner Spiel besserte sich ein wenig und kurz vor Ende des ersten Quaters glich Andi Winkler nach Paß von Maik Hundt aus. In der 34.Spielminute ging man dann nach einem Tor von Maik Hundt (Assist: Florian Niemeier) erstmals in Führung, doch keine zwei Minuten später musste man den Ausgleich hinnnehmen. Erneut war es Maik Hundt der die Mohawks zu Beginn der zweiten Halbzeit in Führung schoss. Das gute Spiel drohte 5. Minuten später den Mohawks aus den Händen zu gleiten, denn innerhalb von 70 Sekunden geriet man in Rückstand. Als dann in der 65. Spielminute das 3-5 fiel, das erste Gegentor an diesem Tag bei der 5. Unterzahlsituation, schien die Partie zu Gunsten des Bundesliga West-Teams entschieden zu sein. In der Attack fehlten weitere Optionen, außer den Torschützen konnte kein weiterer Mohawk wirkliche Torgefahr austrahlen, und der Gegner stellte sich mit zunehmender Spielzeit immer besser auf das eher einseitige Angriffsspiel ein. So gelang eben wieder einem der beiden, Andi Winkler, mit seinem zweiten Tor des Tages 6 Minuten vor dem Ende der Anschlusstreffer. Sollte das Spiel nochmal gedreht werden? Leider nicht, am Ende fehlte die Kondition, um nochmal einen Gang hoch schalten zu können und man verlor erstmals nach zuvor drei Siegen gegen das Bundesliga West-Team und damit auch die letzte verbliebene makellose Bilanz. An dieser Stelle nochmal einen Glückwunsch an den Gegner, der damit seinen ersten Sieg überhaupt in der Bundesliga West erlangte.

Endtabelle 

Rang Verein Spiele gew. unent. verl. Tore Pkt.
1 SC 1880 Frankfurt Lacrosse 12 12 0 0 206 : 44 36
2 Aachen Lacrosse 12 10 0 2 166 : 45 30
3 Düsseldorf Antlers 12 7 0 5 103 : 91 21
4 Cologne Indians 12 6 0 6 128 : 71 18
5 Marburg Saints 12 5 0 7 105 : 134 15
6 Münster Mohawks 12 1 0 11 45 : 191 3
7 Legionäre Trier 12 1 0 11 22 : 199 3

Saisonrückblick

Eine für die Münster Mohawks enttäuschende Saison geht damit zu Ende. Nachdem man in der Bundesliga West in der vergangenen Saison noch den vierten Platz (von 7) belegen konnte, gelang es in der Spielzeit 2006/2007 nicht, dieses Ergebnis zu bestätigen. Dem Auftaktsieg folgten elf teils bittere Niederlagen, in denen man oftmals ohne Auswechselspieler antrat, und somit oft zum Ende der Spiele deutliche Ergebnisse hinnehmen musste. Erinnert sei zum Beispiel an das Spiel gegen Köln, bei man nach einem 2-3 Rückstand nach dem ersten Viertel am Ende eine deutliche 2-18 Niederlage erlitt. In der Endtabelle findet man die Mohawks nur noch auf dem sechsten Platz, punktgleich mit dem Letzten. Insofern kann man mit der gerade abgelaufenen Saison unter keinen Umständen zufrieden sein.

Ausblick

In der nächsten Saison werden die Mohawks eine Spielgemeinschaft mit der zweiten Mannschaft aus Aachen eingehen, womit zumindest die akute Spielernot behoben werden wird. Es wird an vielen Stellen zu arbeiten sein. Für die nächste Saison gilt es natürlich das Zusammenspiel der beiden Mannschaften zu organisieren, um gemeinsam eine bessere Platzierung zu erreichen als in diesem Jahr. Zumindest wird man mehr als nur ein Spiel gewinnen wollen. Mittelfristig gilt es andererseits genügend neue Spieler zu rekrutieren und auszubilden, dass man auf absehbare Zeit wieder eigenständig spielen können wird.

Ein sehr persönlicher Einblick

Mit großem Enthusiasmus habe ich dem Abschlussturnier entgegen gefiebert. Unbedingt wollte ich den positiven Trend der letzten Heimspiele bestätigen und endlich auch den zweiten Saisonsieg einfahren. Bekanntlich wurde da nichts draus, und das ist mehr als bedauerlich. Wir haben Potential verschenkt. Viel Potential, wenn man sich vor Augen führt, dass gerade mal neun bzw. zehn von 21 Spielern mit nach Marburg gefahren sind. Wenn man dann das erste Spiel deswegen kampflos hergeben muss, ist das bitter. Wenn man nicht auswechseln kann, wenn man im Prinzip kein Mittelfeld und keine Attack hat, wenn ich nach zwei Trainingseinheiten das Tor hüten muss, weil wir keinen Ersatztorwart haben, wenn unser Stammkeeper nicht kann, dann sind das Gründe, die uns das Spiel unnötig schwer machen. Die letzten Heimspiele, als wir wenigstens 13 Spieler hatten, haben doch gezeigt, was möglich ist. Solche Dinge rauben uns die Chancen.

Am Samstag haben wir das Spiel als Freundschaftsspiel ausgetragen mit Hilfe der Marburger. Ich als Torwart habe mein Trikot an einem Spieler gegeben und selbst ohne gespielt. Als ich dann am Sonntag mit Trikot spielen konnte, habe ich mich gefreut, dieses Trikot tragen zu können. Man sollte es als Ehre empfinden, wenn man in diesem Trikot auflaufen kann, nicht als lästige Pflicht. Lacrosse ist ein Teamsport und wo zeigt man Teamspirit, wenn nicht gegenüber seiner Mannschaft? Deswegen ein Dank an alle, die mitgefahren sind, mit denen ich diese zwei Spiele bestreiten durfte. Ein Dank für die Unterstützung, vor allem dass es kein Wort des Vorwurfes an mich wegen der vielen nicht gehaltenen Bälle gab.

Wobei wir bei dem zweiten Thema sind, das ich gerne noch ansprechen möchte. Ich habe ausgeholfen im Tor, obwohl ich eigentlich auf dem Feld spiele. Aber was will man machen ohne Torwart? Also habe ich mich bereit erklärt auszuhelfen. Eine Erfahrung, die mir mental viel abgefordert hat. Denn man steht als letzter Mann in der Defense seines Teams. Die Defense verteidigt das Tor, hilft dir, zwingt die Angreifer dazu, aus schlechten Positionen zu schießen. Bälle, die dann ein Goalie auch mal halten sollte. Du bist der letzte Mann und dein Team sollte sich auf dich verlassen können. Und dann so eine Katastrophe. Samstag: der erste Schuss – Tor, der zweite, ebenso, dann der dritte, der vierte, … Sieben Mal schießt Marburg aufs Tor, sieben mal bin ich nicht ein einziges Mal am Ball. Nur hinterher, um den Ball aus dem Tor zu holen. Kein Ballkontakt, man fängt an zu zweifeln. Schuldgefühle gegenüber dem Team, weil man keine, wirklich gar keine Hilfe ist. Zweifel, ob man überhaupt noch einen Ball halten wird. Was hast du dir nur dabei gedacht? Hast du wirklich gedacht, du könntest dem Team im Tor helfen? Als Torwart kann man zum Helden werden. Wenn man ein überragendes Spiel macht, aber man kann eben auch gar keine Hilfe sein und zum Deppen werden. Und der Ball tut scheiße weh, wenn man ihn an die falschen Stellen abbekommt. Doch der stechende Schmerz ist nichts im Vergeleich zu dem zu ertragenden Schmerz, den man empfindet, wenn man wieder einmal ein dämliches, haltbares Gegentor bekommt. Das ist in etwa das, was man fühlt. Man zweifelt an sich. Es war schwer für mich, in dieser Situation Ruhe zu bewahren, mich nicht über mich selbst zu ärgern. Ein Hauch von Resignation macht sich breit, doch das will ich nicht zulassen. Zur Halbzeit habe ich einen ganzen Save und einen irgendwohin abgeblockten Schuss bei neun Gegentoren. Das ist alles andere als glorreich. Wobei ein einziger gehaltener Ball einem ein bisschen Sicherheit geben kann. Man fühlt sich besser, nicht vollkommen überflüssig, gewinnt an Selbstvertrauen. Am Ende greife ich 17 mal hinter mir, unter anderem kassiere ich echt doofe Gegentore, weil ich es nicht schaffe, meinen Körper hinter dem Ball zu bringen, und habe 3 Saves und 8 weitere Schüsse, die ich unkonventionell mit meinem Körper irgendwie geblockt habe. Berauschend ist anders. Aber danke, dass ihr mich unterstützt habt, mir keine Vorwürfe gemacht habt. Am Sonntag sieht es ein bisschen besser aus, mag an den schlechteren und wenigeren Schüssen gelegen habe. Fünf Gegentore, zwei Saves, sechs abgeblockte Schüsse. Es hat durchaus Spaß gemacht, aber es ist emotional anstrengender als auf dem Feld zu spielen. Zudem fehlt mir die Bewegung. Wenn ich auf dem Platz stehe, möchte ich laufen und Gas geben.

Deswegen sollten wir schnell einen neuen Torwart finden, denn dauerhaft würde ich mich vermutlich selbst zerfleischen, wenn ich ins Tor gehen müsste.